Gut Schönfeld

Schönfeld
Sabine Bock und Christian v. Plessen

Es gibt in Deutschland etliche Orte gleichen Namens. Dieses liegt im Landkreis Nordwestmecklenburg und ist eines von fünf Dörfern der Gemeinde Mühlen Eichsen. Der Name der Gemarkung ist treffend. Bereits 1194 wird „Sconenuelde“ als Stiftsgut und nochmals um 1230 im Zehntregister der Bischöfe von Ratzeburg genannt. Zweifellos besaßen die Herren v. Schönfeld eine relativ lange Zeit Rechte an der Liegenschaft, haben aber offenbar nicht hier gesessen. Es bleibt Spekulation, ob einer von ihnen sogar der Lokator, also Ortsbegründer bzw. Landentwickler der Gemarkung war und ihr folgerichtig den Namen seines Geschlechts gab oder ob ein Unbekannter frühzeitig in den Besitz des Gutes gelangte und seinem Vornamen die Bezeichnung der Gemarkung als klärenden Beinamen hinzufügte. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts waren die Herren v. Schönfeld Lehnsträger, zunächst der Grafen von Schwerin und – nach dem Verkauf der Grafschaft – der Herzöge von Mecklenburg. Nach ihnen kamen vierundzwanzig weitere Besitzer, darunter mehrfach bedeutende Persönlichkeiten aus zehn verschiedenen Geschlechtern in den Besitz des Gutes.

Der Schöpfer eines Gesamtkunstwerkes

Unter den Besitzern nimmt Johann Jacob v. Leers eine bemerkenswerte Sonderstellung ein. Sein Vater wurde 1791 in den Reichsadel aufgenommen. Er war von Hause aus vermögend, seit Generationen besaß die Familie Kupfermühlen und Messingwerke in Bäk bei Ratzeburg und Manhagen bei Mölln. Mit diesem finanziellen Hintergrund kaufte er das Gut Vietlübbe im Amt Gadebusch. 1807 übernahm sein Sohn dieses Gut und vergrößerte den Besitz um das Allod Schönfeld. 1817 kamen Mühlen Eichsen, Groß Eichsen und Goddin dazu. Leers galt als aufstrebender, unternehmerisch agierender Landwirt, und er war ein Gutsbesitzer mit Visionen.

Man stelle sich vor, heute würde ein wohlhabender Unternehmer Folgendes planen: Den Abriss eines Gutsdorfes, dessen Aufbau an anderer Stelle, die Neuordnung der Flur, die Pflanzung von Hecken zwischen den Ackerschlägen, die Anlage einer breiten Lindenallee und den Bau eines modernen Herrenhauses. Nichts davon würde ihm im 21. Jahrhundert genehmigt! Im 19. Jahrhundert ging es offensichtlich schwungvoller zu. Eine Karte von 1769 zeigt noch den alten Schönfelder Gutshof im Stepenitztal. Drei Jahrzehnte später waren die Groß Eichsener Bauern gelegt und ihre Äcker vom Gut Schönfeld übernommen worden. Leers anschließende Neuordnung der Flureinteilung und die Errichtung des neuen Gutshofes sind die äußeren Zeichen der wirtschaftlichen Veränderungen, die als Vorboten der landwirtschaftlichen Industrialisierung im 19. Jahrhundert anzusehen sind. 

Eine bauliche Besonderheit waren zwei stattliche Rundscheunen mit ihren modernen, holzsparenden Bohlenbinderdächern. Sie bildeten torartig den nördlichen Zugang zum Gutshof; beide Bauten wurden im 20. Jahrhundert Opfer von Bränden. Erst nach Fertigstellung des Wirtschaftshofes wurde von 1822 an das klassizistische Herrenhaus nach den Plänen des Lübecker Baumeisters Joseph Christian Lillie errichtet. Leers hatte damit ein beachtliches Gesamtkunstwerk geschaffen, von dem nur noch die beeindruckende Lindenallee, die großflächige Flureinteilung und das Herrenhaus erhalten sind.

Johann Jacob v. Leers besaß das Vertrauen des Herzogs von Mecklenburg-Schwerin. Er wurde 1821 in den mecklenburgischen Adel und die Ritterschaft des Landes aufgenommen, von 1838 an war er Landrat.

Das Gut im 20. und 21. Jahrhundert

Bis 1930 hatten sechs Generationen der Herren v. Leers auf Schönfeld gesessen, dann erwarb ein Rostocker das inzwischen arg heruntergekommene Gut. Er verkaufte das Anwesen schon drei Jahre später an den Landwirt Bernhard v. Plessen aus Damshagen im Klützer Winkel. Plessen renovierte umgehend das Dorf und modernisierte die Landwirtschaft. 

Nach der Kapitulation Deutschlands besetzten die sowjetischen Truppen im Sommer 1945 West-Mecklenburg. Ihre bei Cramon stationierten Einheiten ließen sich vom politisch unbelasteten Bernhard v. Plessen beliefern. Skurril und deshalb erwähnenswert ist: Der adelige Großgrundbesitzer wurde von ihnen sogar förmlich entnazifiziert, und sie sagten ihm seinen Verbleib in Schönfeld zu. Dennoch vertrieben ihn die deutschen Kommunisten am 5. Oktober 1945 und setzten sich an seine Stelle als Besitzer und Eigentümer der Güter. Als sie ihm mit Deportation drohten, floh er in die Britische Besatzungszone. Seine Zeit in Schönfeld war nach nur zwölf Jahren abgelaufen.

Mitte 1946 verteilten die deutschen Behörden der SBZ die Ländereien von Schönfeld im Rahmen der Bodenreform an Neubauern. Schon wenige Jahre später mussten sie der örtlichen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft beitreten – und so blieb es bis 1990. Das Herrenhaus diente zunächst als Flüchtlingsunterkunft, später als Kindergarten, Schule und schließlich als Ferienheim eines Berliner Betriebes.

Nach der Wiedervereinigung bot es die Treuhandanstalt zum Kauf an – aber nicht Christian, dem ältesten Sohn von Bernhard v. Plessen. Doch dank einer unmissverständlichen Unterstützung der Schönfelder Bürger erhielt er 1991 den Zuschlag für das Herrenhaus und konnte zeitgleich auch den Grundstein für den heutigen Ackerbau- und Forstbetrieb in der Heimat seiner Vorfahren legen. Christian und seine Frau Dagmar v. Plessen restaurierten das schwer beschädigte Herrenhaus und schufen darin Wohnungen.

Dagmar v. Plessen war von 1994 bis 2004 ehrenamtliche Bürgermeisterin der Gemeinde Mühlen Eichsen. Die Eheleute gründeten einen Förderverein für die Johanniter-Kirche Groß Eichsen. Mehr als 670.000 € wurden eingesammelt und inzwischen für die Restaurierung des mächtigen Gotteshauses und seiner bedeutenden Ausstattungsstücke aufgewendet.

Seit 2006 führt Magnus v. Plessen den Landwirtschafts- und Forstbetrieb. Er ist Geschäftsführer einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts, die das Agrargeschäft betreibt und an der Felix Freiherr zu Knyphausen paritätisch beteiligt ist.

P.S.: Auf den Beitrag zum Gut Damshagen wird verwiesen.

Weiterführende Literatur: Christian v. Plessen (Hg.): Maueranker und Stier. Plesse │ Plessen. Tausend Jahre eines norddeutschen Adelsgeschlechts. Schwerin 2015. ISBN 978-3-944033-03-7. In diesem Werk bilden 46 Wissenschaftler ein facettenreiches Mosaik zur Geschichte der franko-alemannischen Grafen Haolde, Edelherren von Höckelheim/Plesse und Herren v. Plessen.