Gut Damshagen

Damshagen
Christian v. Plessen

Im Zehntregister des Bistums Ratzeburg von 1230 werden viele Kirchdörfer im nordwestlichen Mecklenburg erstmals erwähnt, darunter auch Damshagen. Aus den Geschichtsquellen geht hervor, dass nacheinander die Adelsfamilien Hagen, Storm, Kuhlbusch und schließlich die Plessen das Lehen an Damshagen besaßen. Herren v. Plesse – ab dem ausgehenden 16. Jahrhundert nennen sie sich Plessen – werden 1418 erstmals und zunächst nur mit Anteilen, schon bald aber als alleinige Besitzer des Gutes genannt – und so blieb es die folgenden 500 Jahre. 

Die Herren v. Plesse stammen von der Burg Plesse nahe Göttingen. Sie unterhalten schon früh intensive Bindungen zu Mecklenburg. Der Livland-Fahrer Helmold II. Edelherr von Plesse (1191/– vor 1226) – Gefolgsmann Heinrichs des Löwen und Kaiser Ottos IV. – schiffte sich 2011 als Anführer eines Kreuzzugs nach Livland im Raum Lübeck ein. Sein Neffe Bernhard III. Edelherr von Plesse (1221/1263) – alias Bernhard de Walia – war Burgmann zu Mecklenburg. Mit ihm erschien auch sein Bruder Helmold III. Edelherr von Plesse (1224/1256) im Land, dessen Sohn, der Ritter Helmold v. Plesse (1263/1283), Burgmann zu Wismar wurde. Seit jener Zeit waren die Plessen Vasallen der Herren von Mecklenburg. Sie bekleideten höchste Ämter als Räte und dienten ihren Herren als Kriegsunternehmer. Entlohnt wurden sie mit Grundbesitz. Zwischen 1263 und 1400 waren es bereits acht Adelshöfe – einige mit kleinen Turmhügelburgen ausgestattet, sogenannten Motten; in weiteren 35 Dörfern hatten sie die Grundherrschaft inne. Ihre ersten wichtigen Haupthöfe und Wohnsitze waren: Arpshagen, Barnekow, Brüel, Müsselmow, Neuhof, Parin, Rosenthal, Zülow – allesamt Güter, die die Plessen zum größten Teil noch zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges besaßen. Zwischen 1401 und 1500 kamen weitere acht Haupthöfe dazu, unter ihnen Damshagen (1418), wo Konrad v. Plesse (1392/1448) als erster Besitzer seines Geschlechts erwähnt wird.

Der letzte Besitzer von Damshagen war Bernhard v. Plessen (1908–2003). Er und seine Familie wurden im Oktober 1945 von Deutschkommunisten vertrieben. Sämtlicher Hausrat wurde geplündert. Das wertvolle Familienarchiv ging unter. Sein Grundbesitz (658 ha) und das betriebliche Umlaufvermögen wurden an mehr als 100 „Neubauern“ zur Bewirtschaftung verteilt („Bodenreform“). Anfang der 1950er Jahre schlossen sich die Damshäger Neubauern zur planwirtschaftlich gelenkten Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft „Ernst Thälmann“ zusammen. Wer aufgab, dessen Fläche wurde als „Volkseigentum“ eingezogen; wer durchhielt, behielt seinen Besitztitel, der nach der Wiedervereinigung Deutschlands (1990) zu Volleigentum mutierte. 

Bernhards Sohn Christian (*1939) kehrte 1991 mit seiner Familie nach Mecklenburg zurück. Er kaufte und pachtete von den verbliebenen Neubauern und der staatlichen Treuhandanstalt – später BVVG – einen Grundstücks-Flickenteppich zusammen, konsolidierte diesen und richtete die Güter von Damshagen und Schönfeld wieder ein. Sein Sohn, Magnus v. Plessen (*1970), trat 2006 die Nachfolge im Besitz an.

Der Wald wird im Rahmen eines langfristigen Konzepts entrümpelt. Vorhandene, gut wachsende, standortgeeignete Baumarten werden gefördert (Douglasie, Lärche, Eiche, Buche, Ahorn) oder neu eingebracht (Küstentanne, Weißtanne, Vogelkirsche, Schwarznuss). Ziel ist es, einen großzügig durchmischten, wegebaulich erschlossenen Wald mit hohem Wertholzanteil in allen Altersklassen für kommende Generationen hinzustellen. Für die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Nutzflächen hat Magnus v. Plessen mit Felix Freiherr zu Knyphausen eine GbR gegründet. Produziert werden vor allem Weizen, Raps und Gerste. 

Die Burg Damshagen, einst südöstlich der Kirche am Damshäger Bach gelegen, gibt es schon lange nicht mehr. Auch das ihr nachfolgende Fachwerk-Herrenhaus ist Anfang des 20. Jahrhunderts untergegangen. Ihm folgte an anderer Stelle das heutige Herrenhaus, das im Zuge der Bodenreform in den Besitz der Gemeinde gelangte, die das Gebäude nach der Wende nicht an die Plessen, sondern an Dritte verkauft hat. Eingeklemmt zwischen DDR-Zweckbauten (Konsum, Kindergarten, Wohnblöcken) thront es nun relativ perspektivlos in der Ortsmitte und wird kaum besseren Zeiten entgegensehen, weil die traditionelle Einheit von Familienbetrieb und Haus irreparabel verlorengegangen ist.

P.S.: Auf den Beitrag zum Gut Schönfeld wird verwiesen

Weiterführende Literatur: Christian v. Plessen (Hg.): Maueranker und Stier. Plesse │ Plessen. Tausend Jahre eines norddeutschen Adelsgeschlechts. Schwerin 2015. ISBN 978-3-944033-03-7. In diesem Werk bilden 46 Wissenschaftler ein facettenreiches Mosaik zur Geschichte der franko-alemannischen Grafen Haolde, Edelherren von Höckelheim/Plesse und Herren v. Plessen.