Gut Stolpe

Das Gut Stolpe an der Peene

Das mittelalterliche Kloster

Der kleine Ort südlich der Peene, wenige Kilometer westlich von Anklam gelegen, ist in vielerlei Hinsicht eng mit der pommerschen Geschichte verbunden. 

Zwischen Stolpe und Grüttow steht ein Bildstein, der unter dem Namen »Wartislawstein« bekannt ist. Er sei zum Gedenken an den hier ermordeten ersten christlichen Fürsten Pommerns, Wartislaw I., von seinem Bruder Ratibor aufgestellt worden, heißt es seit dem 19. Jahrhundert. Ratibor stiftete auch 1153 das Benediktinerkloster Stolpe, das erste christliche Kloster in Pommern.

Den Stein hat die Forschung inzwischen entzaubert, es soll sich um einen alten Grenzstein zwischen Kloster- und Herzogsbesitz handeln. Der klösterliche Besitz wird durch ein Kreuz, der herzogliche durch ein Horn gekennzeichnet. Einen Kompromiss bietet eine andere Interpretation: Der Stein wurde nach der Tötung Wartislaws von seinem Bruder Ratibor als Gedenk- oder Sühnestein mit der Figur auf der heutigen Rückseite aufgestellt. Aus Unkenntnis der geschichtlichen Zusammenhänge wurde er zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert als Grenzstein weiterverwendet und dafür das Horn und das Kreuz eingearbeitet. Erst um 1850 erinnerte man sich der alten Tötungslegende und bezeichnete den Stein als »Wartislawstein«. 

Unbestritten bleibt aber die Tatsache, dass die Baureste des Klosters Stolpe die ältesten Steinbauten Pommerns sind. Nach internen Auseinandersetzungen schloss sich der Konvent 1304 dem Zisterzienserorden an. Tochterklöster im livländischen Dünamünde und Falkenau sowie im estnischen Padis halfen, die wirtschaftlichen Probleme des Klosters Stolpe zu beheben. 

Der herzogliche Amtshof

Nach der Annahme des evangelischen Glaubens wurden die Besitzungen des Klosters im Zuge der Säkularisation zwischen den pommerschen Herzögen Barnim XI. und Philipp I. aufgeteilt und den landesherrlichen Kammergütern zugeteilt. Zunächst hat die Domäne noch die Klostergebäude genutzt, doch am 23. August 1637 brannten im Dreißigjährigen Krieg in Kämpfen zwischen den kaiserlichen und den schwedischen Truppen »die schönen Klostergebäude, in denen die Landesfürsten öfters ihr Hoflager […] hielten, sämmtlich ab, und nur die Umfangsmauern blieben stehen«. 

Aber schon zuvor war Stolpe in diesem Krieg eine besondere Bedeutung zugefallen. Als Gustav Adolf von Schweden am 6. Juli 1630 in Peenemünde auf Usedom landete, um in das Kriegsgeschehen einzugreifen, zogen sich die kaiserlichen Truppe unter Torquato Conti unter anderem in ein Lager in Stolpe an der Peene zurück, von wo sie durch die schwedischen Truppen vertrieben wurden.

Der schwedische Amtshof

Im Ergebnis des Westfälischen Friedens von 1648 fiel Stolpe mit Vorpommern an die Krone Schwedens und der Grenzrezess von 1653 schrieb die Teilung Pommerns zwischen der Krone Schwedens und der Mark Brandenburg zunächst fest. Königin Christine schenkte das Krongut Stolpe dem Generalmajor Erik Gustavsson Graf Steenbock (1612–1659) für seine militärischen Verdienste im Dreißigjährigen Krieg. Er nannte sich fortan »Freiherr zu Cronebeck und Oresteen, Herr zu Stolpe«. Schon seit 1637 war er mit Catharina von Schwerin (1619–1655), der Tochter des Rüdiger von Schwerin (1583–1621) auf der nahe Stolpe gelegenen Feste Spantekow verheiratet und war seit dem Tode deren Bruders seit 1634 auch Herr auf Spantekow.

Steenbock ließ um 1653 einige Zimmer in Stolpe »notdürftig wieder herrichten«. In einem Inventar von 1654 ist genau dokumentiert, was damals gemacht wurde. Es ist interessant, dass man auf die massiven Klosterbauten Fachwerkgeschosse gesetzt hatte. In den verbliebenen Bauten gab es sowohl »Fürstl: Gemache undt Cammer« wie auch eine große »Hoffstube«. Beides deutet darauf hin, dass die Bauten von den Herzögen zumindest gelegentlich auch selbst genutzt wurden.

Ende des Jahrhunderts wurde 1697 der nun schwedische Amtshof im Rahmen der Landesaufnahme Schwedisch-Pommerns von Abraham Hesselgreen vermessen. Der erhaltene Plan zeigt, dass die Hofgebäude damals noch ein Karree bildeten, das sehr an die um einen Kreuzgang gruppierten Klostergebäude erinnerte. Tatsächlich handelte es sich noch immer um die Gebäude, deren Umfassungsmauern beim Brand von 1637 stehengeblieben waren. 1709 ließ der Schlosshauptmann Martin von Klinckowström (1650–1717) eine Reparatur des königlichen Amtshauses durchführen, unter anderem wurde das Dach neu gedeckt.

Doch ein neuer Krieg begann. Immer wieder versuchte Brandenburg mit seinen Verbündeten, die Schweden zu besiegen und ganz Pommern zu gewinnen. Stolpe war aufgrund seiner Fährverbindung über die Peene aus militärischer Sicht von besonderem Interesse. So belagerten die königlich-polnischen und die kurfürstlich-sächsischen Truppen am 6. Juli 1715 Stolpe, um gegen die Schweden vorzugehen. In dem von Johann Georg Maximilian Fürstenhoff verfassten Atlas »Campements und andere Kriegsoperationes, welche durch die Königlich Polnischen und Kurfürstlich Sächsischen Truppen benebenst denen andern hohen nordischen Alliierten die Jahre 1711, 1713 und 1715 in Schwedisch Pommern gegen die Schweden unternommen« ist die Situation kartiert: Der Domänenhof ist wesentlich größer geworden, südlich der noch immer genutzten alten Klostergebäude war ein neuer Gutshof entstanden. 

Die preußische Domäne

Schweden musste schon vor dem Ende des Großen Nordischen Krieges Anfang des Jahres 1720 mit dem Frieden von Stockholm auf die südlich der Peene gelegenen Gebiete Pommerns und mit ihnen auch auf Stolpe verzichten, das nun an den kurbrandenburgischen Herzog Friedrich Wilhelm I., König in Preußen, kam. Das hinderte die schwedischen Militärs aber nicht daran, das Gebiet aufgrund des besonderen militärischen Interesses am Peeneübergang auch in der Folgezeit immer wieder zu kartieren. So ist anhand des in Schweden überlieferten Kartenmaterials gut nachvollziehbar, dass bis in die 1770er Jahre der ganz regelmäßig angelegte Gutshof an seinem heutigen Standort entstanden war. Schon 1738 war das alte massive Amtshaus als in »sehr schlechtem Stande« beschrieben worden und auch die angrenzenden Gebäude waren damals bereits mehr oder weniger ruiniert. Aber man hatte im Jahr zuvor, 1737, ein neues Wohnhaus auf dem Bauhof südlich des alten Amtshofes errichtet, der offenbar auf dem Wirtschaftshof des Klosters basierte und als Keimzelle des späteren Gutshofes angesehen werden kann. 

Die letzte Erwähnung nutzbarer Gebäudereste des Klosters stammt aus dem Jahr 1795. In dieser Zeit war der Amtsrat Fleischmann Generalpächter der Ämter Klempenow und Stolpe. Nach seinem Tod trat sein Sohn, der Oberamtmann Fleischmann, am 13. Oktober 1797 in den Vertrag ein. Sogenannter Afterpächter war seit 1797 Carl Dunker. Er erlebte in Stolpe die alltäglichen Bedrängnisse durch die Napoleonischen Kriege: »Außer Franzosen hatten Stolp und Neuhof auch Holländische, Baierische, Hessische, Sächsische, Badensche und Italiänische Kriegsvölker zu beherbergen. Die Befehlsführer sind in den Nachweisungen meistens namentlich aufgeführt. Auch der Marschall Brune kehrte in Stolp ein. Vom 11. bis 14. Juli 1807 lagen daselbst 20 Offiziere und 900 Mann Baiern, unter dem Commandeur Habermann, in Quartier. Die Offiziere tranken 3 Anker, also mehr als 100 Liter, Wein aus und nahmen, als sie abzogen, noch 40 Flaschen mit auf den Weg.« Der französische Generalmarschall Guillaume-Marie-Anne Brune (1763–1815) war 1806 mit dem Kommando der Truppen in Schwedisch-Pommern betraut und nahm 1807 Stralsund und Rügen durch Kapitulation ein.

Vom Erbpachtgut zum Gut

Um die im Frieden von Tilsit 1807 auferlegten Verpflichtungen erfüllen zu können, wandelte König Friedrich Wilhelm III. seine Güter in Staatsdomänen um, teilte sie auf und verkaufte oder vererbpachtete sie. Über Stolpe wurde im Oktober 1812 mit Carl Dunker ein Erbpachtvertrag geschlossen. Er hatte unter anderem die Gebäude in »Dach und Fach gehörig unterhalten«. Eine Umwandlung in ein ritterschaftliches Gut lehnte Dunker ab und daran änderte sich auch unter seinen Nachfolgern nichts. Nach einem Herrn Müller, der noch 1852 Stolpe besaß, kaufte Christian Friedrich Georg Hans von Bülow (1802–1873), Herr auf Rieth, Thalberg etc., verheiratet mit Marie Friederike Karoline Konstanze von Zepelin (1807–1878), das Erbpachtgut und ließ auch das herrschaftliche Wohnhaus erbauen. Das Haus wurde allerdings zumeist von den Pächtern bzw. Verwaltern des Gutes bewohnt. Erster Pächter war zwischen 1853 und 1880 Fritz Peters zu Siedenbollentin. Mit ihm und seinen Inspektoren Rudolf Wiencke und Friedrich Knitschky war der niederdeutsche Dichter Fritz Reuter (1810–1874) befreundet, hielt sich deshalb öfter in Stolpe auf und setze dem Ort in seiner »Urgeschicht von Meckelnbörg« ein literarisches Denkmal.

Nächster Eigentümer von Stolpe war der Sohn des Christian, Hermann Georg Hans Konstantin von Bülow (1832–1905), der mit Helene von Borcke (1837–1915) verheiratet war. Ihr ältester Sohn Hans Christian Carl Bernhard von Bülow  (1856–1931), verheiratet mit Sophie Freiin von Maltzan zu Wartenberg und Penzlin (1860–1920), war der erste Bülow, der auf Stolpe lebte. Selbst kinderlos, adoptierte er nach dem Tod seiner Frau deren Nichte Ursula von Maltzahn, Freiin zu Wartenberg und Penzlin (1903–1965). Sie erbte den Besitz in Stolpe und heiratete 1926 den Landwirt Kurt Stürken (1902–1990). Er sanierte das verschuldete Gut, doch die Familie verlor im Herbst 1945 nach Ende des Zweiten Weltkrieges durch die sogenannte »Demokratische Bodenreform« ihr gesamtes Eigentum. Bereits im April 1945 war Ursula Stürken mit ihren sechs Kindern nach Hamburg geflohen.

Enteignung, Volkseigenes Gut und Rückkauf

Im Herbst 1945 wurden Stürkens enteignet und der Betrieb fortan  als »Volkseigenes Gut« betrieben. Nach dem Ende der DDR konnte Kurt Stürken (*1935), der Sohn von Ursula und Kurt Stürken, nach langen, zähen Verhandlungen mit der Treuhand das Familieneigentum von der Bundesrepublik zurückkaufen. Zunächst waren es die Hofstellen in Stolpe und Neuhof mit 150 ha Öd-und Unland und der 7 km lange Uferstreifen entlang der Peene.

Die Rekonstruktion des Gutshofes in Stolpe brauchte lange Zeit. Dreiundzwanzig Jahre hat es gedauert, bis alle Gebäude wieder instand gesetzt waren. Zum Gutshof gehören neben dem Herrenhaus zwei weitere Wohngebäude, die früher vom Personal genutzt wurden, sowie sechs große Stallungen und Scheunen. Ein Stall wurde für Wohnzwecke umgebaut. Der ehemalige, heute denkmalgeschützte Pferdestall von 1844 ist zu einem Veranstaltungsgebäude mit einem großen und einem kleinen Saal, einem Entre und einer Küche umgebaut worden. Eine große Scheune dient heute als »Konzertscheune«, 950 Personen finden hier Platz. Die anderen Gebäuden werden als Werkstätten und zur Unterbringung von Materialien und Geräten genutzt.

Auch der etwa 350 Jahre alte Stolper Fährkrug, der außerhalb des Hofgevierts nahe der Peene liegt und unter Denkmalschutz steht, wird gastronomisch genutzt. Ihm gegenüber steht ein weiteres denkmalgeschütztes Wohnhaus, in dem jetzt zwei komfortable Ferienwohnungen eingebaut sind. Die dicht an der Peene liegende denkmalgeschützte Schmiede ist noch völlig intakt.

Das Hotel im ehemaligen Herrenhaus ist seit Dezember 1996 ganzjährig eröffnet. Es kann incl. Ferienwohnungen 80 Übernachtungsgäste beherbergen. Durch die sehr schöne Lage direkt an der Peene eignet sich Stolpe insbesondere für Individualgäste, Hochzeiten, große Veranstaltungen, Geburtstage sowie im Sommer für große Konzerte. Es gibt ein eigenes Standesamt und kirchliche Trauungen können in der Wartislawkirche stattfinden. Das Hotel zeichnet sich durch eine besonders gute Küche aus. Seit 1997 konnte der Michelin Stern jedes Jahr neu erworben werden.

Im Jahr 2002 konnte die Landwirtschaft privatisiert werden. Je zur Hälfte haben Kurt Stürken und seine Partner, Karz und Leo von Kameke, die Ackerflächen gekauft, die auch von Kamenkes bewirtschaftet werden. Am Gutsbetrieb ist Kurt Stürken beteiligt. Angebaut werden Raps, Weizen, Gerste, Roggen, Kartoffeln und Zuckerrüben. Auch ein kleiner Forst etwa 30 ha gehören zu Stolpe. Es gibt viele Sauen und Rehwild.

Sabine Bock, Schwerin, mit Angaben zur jüngsten Geschichte von Kurt Stürken, Stolpe