Leopold Engelke Freiherr v. Plessen (1769-1837)


Minister und Ministerpräsident
Mecklenburg-Schwerins (1836),
Gut Dolgen am See (bei Laage)

Leopold von Plessen wurde in Raden bei Güstrow geboren. Nur von Hauslehrern unterrichtet, studierte er ab Michaelis 1785 Philosophie an der Universität Rostock und anschließend ab Ostern 1787 Kameralistik sowie europäisches Staats- und Völkerrecht in Göttingen. 1790 wurde er Mitglied der königlich-preußischen Kriegs- und Domänenkammer in Berlin und nahm im selben Jahr in Frankfurt an der Krönig von Kaiser Leopold II. teil. Nach verschiedenen Bildungsreisen und einem Aufenthalt in Regensburg trat Plessen am 11. März 1793 als Auditor beim Kammerkollegium Schwerin mit dem Charakter eines Drosten in den mecklenburgischen Staatsdienst ein. Am 10. September 1796 wurde er herzoglich-mecklenburg-schwerinscher Kammerherr, nachdem er im selben Jahr bei der Teilung des väterlichen Nachlasses das Gut Vogelsang erworben hatte. Nach weiteren Reisen durch England, Frankreich und Österreich hielt sich Plessen überwiegend am Hof des (Teil-) Herzogtums Mecklenburg-Schwerin auf und erlangte schnell das Vertrauen seines Fürsten. Von 1802 bis 1806 weilte Plessen als mecklenburgischer Gesandter auf dem Reichstag in Regensburg und verfolgte 1803 mit herzoglichem Spezialauftrag die Interessen des mecklenburgischen Fürstenhauses zur Erlangung der Kurwürde. Im Juni 1805 zeitweilig nach Mecklenburg zurückgekehrt, wurde er in Anerkennung seiner Verdienste zum Geheimen Rat ernannt.

1807 zum Wirklichen Geheimen Rat und Minister ernannt, war Leopold von Plessen in der Regierung des Landesteils Mecklenburg-Schwerin als dritter Minister und Direktor des Kabinetts tätig, 1808 als zweiter Minister. In der Zeit der Deutschen Befreiungskriege war Plessen viel auf Reisen, häufig mit diplomatischen Missionen und Verhandlungen mit Russland, Preußen und anderen Großmächten betraut. Während des Wiener Kongresses 1814 trat er als Vertreter von Mecklenburg-Schwerin wiederholt für das Wiederaufleben des Deutschen Reiches ein und erreichte die Rangerhöhung beziehungsweise Rangangleichung seines Fürsten, Herzog Friedrich Franz I., zum Großherzog von Mecklenburg. Er avancierte auf dem Wiener Kongress zu einem der bedeutendsten Vertreter der deutschen Kleinstaaten (Mindermächtigen) und konnte durch geschicktes diplomatisches Taktieren letztlich die staatliche Souveränität Mecklenburgs und weiterer Kleinstaaten bewahren helfen. 1815 nahm Leopold von Plessen als Gesandter und bevollmächtigter Minister beider mecklenburgischer Landesteile am Bundestag des Deutschen Bundes teil, ebenso an den Ministerialkonferenzen 1819 und an der Wiener Konferenz 1819/20.

Fürst Metternich bot Plessen nach Beendigung der Karlsbader Konferenzen - in Anerkennung seiner bisherigen Verdienste - den Posten des österreichischen Außen- bzw. Finanzministers an. Plessen schlug dies wegen seiner Freundschaft zum amtierenden Außenminister Graf Johann Rudolf Buol-Schauenstein aus. Später schlossen sich Angebote Metternichs und des preußischen Ministers Graf von Bernstorff für einen Posten als österreichischer bzw. preußischer Gesandter des Bundestages an. Auch diese beiden Offerten lehnte Plessen aus Verbundenheit mit seiner Heimat Mecklenburg und aufgrund seiner langjährigen Freundschaft mit Großherzog Friedrich Franz I. ab. Der sogenannte "Plessensche Salon" im Neustädtischen Palais in Schwerin avancierte in den Folgejahren durch die Besuche zahlreicher auswärtiger Diplomaten zum geistigen Mittelpunkt der Residenzstadt. Seit 1782 war Plessen Eigentümer des ritterschaftlichen Gutes Dolgen am See und ließ das Herrenhaus Dolgen nach dem Vorbild des schwiegerväterlichen Gutshauses Orellen in Livland umbauen.

Seit 1824 verbrachte er jeden Sommer auf seinem Landgut am Dolgener See und verhalf durch die Besuche zahlreichter in- und ausländischer Staatsgäste und anderer hochgestellter Persönlichkeiten dem Dorf Dolgen zu beachtlicher politischer Bedeutung. Den festen Wohnsitz nahm Familie von Plessen aus dienstlichen Gründen in Ludwigslust, wo bereits Herzog Friedrich der Fromme geräumige Wohnungen für Hofbeamte hatte errichten lassen. In seinen letzten Jahren verstärkt auf innenpolitischem Gebiet tätig, vertrat Plessen die Interessen des schwerinschen Großherzogs auf zahlreichen Landtagen. Am 5. Mai 1836 wurde Leopold von Plessen als Präsident des Geheimen Rates und (Erster) Minister ins ranghöchste Staatsamt von Mecklenburg-Schwerin berufen.

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