Herrenhäuser

Als kollektive Gedächtnisstütze berichten wir hier in enzyklopädischer Form über Herrenhäuser - auch jene, die zwischen 1945 und 1990 in Mecklenburg-Vorpommern gesprengt oder „entsorgt“ wurden.

Als man die Herrenhäuser errichtete, wurden sie gerne in ein Ensemble aus weiteren Gebäuden gestellt und oft auch mit einer großzügigen Gartenanlage umgeben; dies alles wohl platziert an herausgehobener Stelle am Rande des Wirtschaftshofes und Dorfes. Selbst dort, wo diese Anlagen nur noch rudimentär erhalten geblieben sind, stellen sie für den Betrachter einen anschaulichen Bezug her zum Selbstverständnis einer längst vergangenen Zeit oder sie zeigen beispielshaft, mit welcher Brutalität man sie zuweilen verstümmelt hat. Die Herrenhäuser sind keineswegs nur interessante stilepochale Dokumente, sondern vor allem Zeugnisse eines tiefgreifenden sozialen und politischen Wandels, weg von der ständischen hin zu unserer republikanischen Ordnung - und allem, was an Irrungen und Wirrungen dazwischen lag.

Politisch gewollt und tödlich für die Herrenhäuser war es, dass man nach 1945 die bewährte Besitzeinheit von Gut und Haus zerstörte. Unverzeihlich ist, dass diese Einheit nach 1990 nicht - wo immer es möglich gewesen wäre - wieder hergestellt wurde und deshalb vielen Denkmälern die Fürsorge durch den örtlichen Landwirtschaftsbetrieb leichtfertig entzogen wurde. Kurzsichtig ist außerdem, dass die aktuelle Politik nicht erkennen will, dass Landwirte, die zur Rettung und Erhaltung von denkmalgeschützten Gebäuden in den Dörfern beitragen, genauso wertvolle arbeitsplatzschaffende Investitionen in ihrer Region auslösen, wie Betriebe, die ohne solche Lasten irgend eine profitable Veredelungswirtschaft betreiben.